Michel’s Saisonrückblick ’22

Keine Geschichte wie aus dem Bilderbuch

Krisengespräch Nr. 1 – Die Vorbereitung

Lief in der Vorbereitung alles nach Plan? Meistens eher nach Plan B. 😉
Mitten im Corona-Wahnsinn war, wie bei vielen von uns, eines unserer großen Hindernisse, die geschlossenen Hallenbäder. Trotz Corona und unzähligen Absagen, haben wir dennoch alles Erdenkliche versucht, um irgendeine Schwimmmöglichkeit zu finden und trainieren zu können. Anfangs wurde uns das in in einem 16m Pool im Rebhan’s & anschließend in einem runden Becken im Siebenquell in Weißenstadt, gestattet.

Hier ein großes Dankeschön an die Verantwortlichen, die uns das ermöglicht haben!

Optimale Bedingungen sehen natürlich anders aus, aber in einem Winter, wie wir ihn alle hinter uns haben, ist eine Kurzbahn ein reines Luxusproblem!

Mitte April dann, kurz nach unserem sehr vielversprechenden Trainingslager auf Fuerteventura, bin ich, während einer Bahneinheit, umgeknickt. SCHE*ßE!
Diagnose: Außenbänder angerissen & eine Kompressionsfraktur. Normalerweise mind. 4 Wochen Entlastung.

Dank guter sportmedizinischer Betreuung und einer 24 h-Eigentherapie konnte ich nach 2,5 Wochen schon wieder mit dem Laufen beginnen. Radtraining
war am Tag nach dem Unfall schon mit einigen Kompromissen wieder möglich.

..und das war erst der Anfang.

Omni-Biotic Apfelland Triathlon (Olympisch)

Mein erstes Rennen nach mehr als 1,5 Jahren ohne Triathlon. Ja, ich war extrem nervös. Aber was konnte schon schief gehen?! Es ist doch „nur“ Swim – Bike – Run und das hatte ich ordentlich trainiert.
Schwimmen lief ganz ordentlich. Second out oft the water.

Am Rad war der Plan dann eigentlich Attacke.
Doch daraus wurde nichts. Ein paar technische Probleme am Bike haben mich zu einem sehr konservativen Radpart gezwungen.

Der abschließende Lauf war wieder solide, „but nothing special“.
Am Ende stand ein 3. Platz in einem gut besetzten Feld auf dem Papier. Zufriedenstellend für den ersten Triathlon nach einer langen Pause.

Trumer Triathlon (Mitteldistanz)

.. aber jetzt!

Stark besetztes Feld, anspruchsvolle Strecke, gute Form! Eigentlich die besten Voraussetzungen für ein Triathlonfest!
Strömender Regen machte die ohnehin anspruchsvolle Strecke zu einer Herausforderung.

Schwimmen lief schon mal gut.
Schnell war klar, Marc Eggeling und ich würden versuchen die Lücke nach vorne zu minimieren.

Durch den Starkregen war es kaum möglich etwas durch das Visier des Aerohelms zu sehen. Also abgemacht & da war es auch schon weg. Durch den starken Regen hatte es nicht gehalten. 1. Verwarnung vom Kampfrichter. Um ehrlich zu sein war ich etwas sprachlos. Ich denke, da sollte man situationsorientierter handeln. Na gut, weiter ging die wilde Fahrt. In einer Abfahrt, in der Aerolenkerverbot herrschte, habe ich durch den Regen das Verbotsschild übersehen und einige Meter zu spät umgegriffen. Und da war Sie, die 2. Verwarnung.

Der Kampfrichter disqualifizierte mich sofort. Zu diesem Zeitpunkt, (km 25 auf dem Rad) war ich gerade 5. & fuhr gemeinsam mit dem 4. Platzierten immer näher an die Spitze.

Den Radpart konnte ich aber noch beenden.

In der Wechselzone angekommen.. und nach einer kurzen Diskussion mit dem Kampfrichter, durfte ich auch auf die Laufstrecke. – Kurz nachgedacht: „Bald steht eine Langdistanz an, also reiß dich zusammen und Feuer frei!“.

Also noch einen soliden Lauf aufs Parkett gezaubert & als 4. das Ziel erreicht.
Dort wurde ich von allen möglichen Emotionen überhäuft: Neben Wut und Enttäuschung, war ich auch einfach stolz auf mich.

Alleine, dass ich an diesem Tag die mentale Stärke bewiesen hatte, trotz der Hürden, das Ding so stark zu finishen, zeigte mir – Die harte Arbeit zahlt sich aus!

Kitzingen Triathlon (Sprint)

Letzte schnellere Einheit vor dem Ironman Frankfurt.
Ein gelungener Ausflug: Start – Ziel Sieg für #TeamP³

Ironman Frankfurt

Das Saison Highlight – Ironman Frankfurt European Championchip

Körperlich war ich topfit! Doch war ich es auch mental?! Die Antwort, so sollte es sich herausstellen, war nein.
Ein Rennmorgen wie er definitiv nicht sein sollte. Der Bus für die PROS stand im Stau und kam 25 Minuten vor Start an der Wechselzone an. PANIK! Sprint in die Wechselzone. Am Rad angekommen alles schnell vorbereiten – Nur keine Hektik & keine Fehler. Reifen aufpumpen – Ventil kaputt – 2. PANIKATTACKE! – Julia hat es dann geschafft, in die Wechselzone zu kommen & hat sich darum gekümmert.


Durchatmen, let ́s race!


Schwimmen lief gut, jedoch ist die vorhergesehene Rennsituation nicht aufgetreten.
1. Verfolgergruppe nicht erwischt, weil es keine gab.
Der Radpart lief dann eigentlich voll nach Plan. Gute Gruppe, in der ich selbst mitarbeiten konnte, um das Tempo hochzuhalten.

Der abschließende Lauf hat mir dann mental alles abverlangt. Der erste
Halbmarathon war zwar absolut im Soll, aber insgesamt war ich mit der Situation überfordert. Darauf hatte ich solange gewartet – Im Top 20-Feld bei einer
Europameisterschaft und dann Mitten in den Positionskämpfen – aber jetzt streikte mein Kopf. Kurze Ansprache von Julia und weiter ging es.

Am Ende stand ein 20er Platz auf dem Papier. Hätte ich nicht dieses mentale Tief gehabt, wäre eine Top 15 Platzierung wohl drin gewesen.

#hättehättefahrradfette, hilft auch nicht!
Grundsätzlich ein Ergebnis, mit dem ich zufrieden sein kann. Für mehr hat es an diesem Tag eben nicht gereicht.

Trotz Ironman, leider nicht aus Eisen – kleiner Zwischenfall

Zu Beginn des ersten Trainingsblocks nach dem Ironman Frankfurt, hat mich dann beim Laufen ein Auto übersehen und ich musste etwas unliebevoll den Asphalt küssen.

Glück im Unglück.

Keine offenen Wunden. Jedoch eine geschwollenes Schulterdach & ein Arm der eigentlich zu nicht viel zu gebrauchen war. Ein Besuch bei unserem Sportarzt des Vertrauens später, war ich schlauer.
Diagnose: Tossy 1 (kleine Einrisse der Bandstrukturen am Schultergelenk).
Also wieder sieben Tage nicht laufen & schwimmen. Aqua-jogging zierte jetzt meinen Trainingsplan.

70.3 Aix-en-Provence (Mitteldistanz)

Die Wochen bis zum Wettkampf liefen eher schleppend. Motivation war da, doch der Körper wollte nicht so richtig… Es fehlte der #flow.

Unser Trip nach Aix-en-Provence war das Rennen aber schon Wert. Mit dem Bus in 7 Tagen von Oberfranken über Italien nach Frankreich.
An sich lief das Rennen, in Anbetracht zu der „Vorbereitung“, dann aber gut. Ich stieg in der ersten großen Gruppe aus dem Wasser & versuchte am Rad schnell meinen Rhythmus zu finden. Was sich an dem Tag eher als „schwer umsetzbar“ herausstellte. Wind, viele Höhenmeter & teilweise schlechte Straßen haben die Radstrecke zu einem echten #beast werden lassen, welches ich aber besiegen konnte :-D.

Der anschließende Lauf war solide & hat mir eine Top 15 Platzierung eingebracht.

Die Wochen nach dem 70.3 Aix-en-Provence liefen nahezu perfekt

Ironman Mallorca (Langdistanz)

Yes, ich hab Bock!

Die Vorbereitung auf meinen Saisonabschluss verlief nahezu reibungslos. Ich war mental frisch & absolut heiß auf das Rennen.
Das Starterfeld war, wie in Frankfurt auch, extrem stark besetzt. Dass das ein sehr schnelles & vor allem enges Rennen werden wird, konnte man schon erahnen. Aber ich war bereit und hatte meine Hausaufgaben definitiv gemacht. Mit Fleißsternchen 😉
Das Rennen begann für mich perfekt. Ich konnte meine starke Schwimmleistung endlich auch im Wettkampf umsetzen und die erste größere Schwimmgruppe halten. In den Top10 stieg ich dann aus dem Wasser. – Alles lief nach Plan.

Auf den ersten Radkilometern konnte ich mich in einer starken Radgruppe gut positionieren. Nach 20 km war es dann soweit, der 7 km lange Anstieg wartete auf uns. Hier hatte ich eine klare Vorgabe von CoachK.
Doch nach etwa 2km am Berg hatte ich diese Vorgabe schnell über Bord geworfen. Ich fühlte mich endlich bereit, auch in solch einem Feld etwas zu riskieren. Also habe ich die Gruppe nicht ziehen lassen, sondern bin mit ihr über den Berg gefahren. #allinbaby

Es war so weit! Ich fühlte mich verdammt gut und konnte einen großen Teil der Führungsarbeit leisten.
Ich war endlich da angekommen, wo ich hingehöre!


Doch es ist mal wieder anders gekommen. Ab km 90 konnte ich weder hoch noch
runter schalten. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, ob ich heulen oder lachen soll.
Ich habe sogar während der Fahrt die Akkus der Schaltung gewechselt, doch nichts half.
Bei 97 km kam dann der nächste Berg. Aber in dem Gang, keine Chance – Aus die Maus!

Julia stand zum Glück am Fuße des Berges. Ich weis nicht mehr welches Gefühl am meisten überwogen hat. Wut oder Enttäuschung.
Aber Dank Julia haben wir diesen Moment dann irgendwie überstanden. Rad & alle Beteiligten sind noch am Leben. Ich habe bis dato noch kein Race so sehr genossen wie dieses und jetzt weis ich: Ich bin auf dem richtigen Weg!

Mallorca, es war mir ein Fest!

Das soll es gewesen sein? Die Saison 21?

Um ehrlich zu sein war nach dem Rennausstieg genau das in unseren Köpfen.. gibt es noch irgendwelche Alternativen, um die gute Form endlich aufs Papier bringen zu können? IM South Africa vielleicht..

Schnell war mir dann aber eigentlich klar.. NEIN, das kommt für mich nicht mehr in Frage.

OFFSEASON!

Zeit um dem Kopf etwas Pause zu gönnen & neue Pläne zu machen! Ich darf schon so viel verraten.. „Es wird vieles anders!“

Seid gespannt! .. und danke, dass Ihr uns auf unserer Reise begleitet! – Eure Nachrichten und Euer Mitfiebern motivieren uns immer noch ein Stückchen mehr!

#youarepartoftheproject
Euer Michel

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